Donnerstag, 10. Juli 2014

Jacke und Gugel

Nach einem Monat des Schweigens meld ich mich nun wieder.
Es war einfach viel los - ich habe nun endlich mein Studium abgeschlossen und auch einen Job gefunden! So war der letzte Monat viel los.
Zudem habe ich mit Christoph nun noch mehr Nähaufträge für historische Kleidung und sind stetig mit der Bewältigung dieser beschäftigt.

Letzten Monat haben wir eine gelbe Schecke fertig gestellt:


Der Stoff ist wieder von Naturtuche - zwiebelgelbe Wolle in Köperbindung. Der Schnitt der Jacke ist recht weit und im Bereich der Taille in Falten gelegt und fixiert. Den Verschluss bilden drei Stoffknöpfe im Bereich des Oberkörpers und drei Häckchen und Ösen unterhalb des Gürtels. Seitlich ist die Jacke bis zur Höhe der Hüfte geschlitzt. Die Ärmel sind gerade und weit geschnitten.

Hier drei Bildbelege ähnliche Modelle: 
1. Mundekinger Flügelaltar, Dionysius auf dem Rost, 1473, Detail
2. Bauer, kolorierte Federzeichnung, Illustrationszyklus Didaktik, Schachzabelbuch, Konstanz, 1479
3. Meister der Kemptener Kreuzigung, 1460-70, Detail



Ebenfalls fertig gestellt ist eine walnussbraune Gugel mit seitlichen Keilen, wie man sie beispielsweise im Hausbuch Wolfegg mehrfach sieht.



Ich hab noch weitere tolle Sachen im Juni geschafft und versuche das alles bald noch hier einzustellen. ...wird alles nachgeholt ;)

Sonntag, 1. Juni 2014

Birkengrün

Neues vom Projekt Klamotten für's 15. Jahrhundert:

1. Die Strümpfe aus der gefärbten zwiebelgelben Wolle sind fertig und der neue Besitzer sehr glücklich und...

2. Die Färbung für das zweite Paar Strümpfe hab ich gestern gemacht und es ist echt gut geworden!

Es war ein Birkengrün gewünscht und das hab ich nun zum ersten Mal auf Stoff gefärbt. Dazu wird zuerst mit Birkenblättern gelb gefärbt und die Farbe dann in einem zweiten Schritt mit Eisensulfat weiter zu einem Grün entwickelt. 
Ich hab mich recht gut an das Rezept von Dorothea Fischer gehalten und mit ca. 200% getrockneten Birkenblättern gearbeitet (Danke Lisi!). In den ersten Zug hab ich nur 100g Wollgarn gegeben, da dieser laut Rezept immer etwas weniger leuchtend ist und ich den Stoff möglichst schön haben wollte. War auch gut so, wie sich später noch erweisen sollte...
Im zweiten Zug landete dann also der Stoff für die Strümpfe und im Dritten ein Kammzugzopf. Mehr Wolle hatte ich leider nicht, sonst wäre noch einiges gelb oder grün geworden, die Flotte war noch lang nciht erschöpft!
Zu jedem Zug hab ich außerdem zwei kleine Stücke Wollstoff zugegeben, um die Farbwirkung auf dem Stoff zu sehen.
Da ich ja grüne Strumpfwolle haben wollte, hab ich zum Schluss Eisensulfat in der Flotte aufgelöst und als Test die Probestücke hineingegeben. Das Stück aus dem 1. Zug wurde olivegrün und die des 2. und 3. Zuges schön hellgrün. Ein Glück, das ich die Strümpfe erst in den zweiten Zug gegeben hatte, so ein dunkles Grün wäre nicht mein Ziel gewesen! Aber manchmal muss man eben Glück haben. ;) Nach diesem Test hab ich dann auch guten Gewissens die Strumpfwolle in die Birken-Eisenflotte gegeben und wurde mit einem schönen Hellgrün belohnt.
Das Weiterentwickeln mit Eisen ist jedoch sehr tückisch, da sich schnell Flecken bilden können. Ein Paar hab ich auch bekommne, ist aber nicht so schlimm. Für die erste Stofffärbung mit Eisenentwicklung bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis!

Links unten die Probestücke aus den Zügen 1-3 und dahinter die Weiterentwicklung mit Eisensulfat, Untergrund und zerknautschter Stoff ist die Strumpfwolle, das Garn der erste Zug und rechts der Kammzugzopf aus Zug Nummer 3.
Der Größte Fleck - hat irgendwie die Form eines Tintenfischs, oder?
Beispiel für kleinere Flecken, davon hab ich mehrere. Die meisten sind netter Weise an den Rändern, so das sie beim Verschnitt landen werden.
Hier nochmal die Proben, von links nach rechts 1.-3. Zug, im Hintergrund die Strumpfwolle. Die Farben sind eigentlich die Gleichen wie im Foto drüber, nur irgendwie läd das Blogger nicht richtig...

Mittwoch, 28. Mai 2014

Blau+Gelb=Grün

Da ich gerade kein buntes Spinnfutter mehr hatte, musste dem Abhilfe geschaffen werden! Also zwei Stränge je 150g deutsches Merino geschnappt und diesmal mit Blau und Gelb rumgematscht. :)

Die Ergebnisse:
Blau und Grün mit viel Weiß - wie Gischt auf den Wellen.

Grüne Wiese, blauer Himmel und die Sonne lacht - freu mich total auf's Verspinnen!

Dienstag, 20. Mai 2014

Tahiti-Feeling

Keine Ahnung, wie es so auf Tahiti ist, weil ich war noch nie da, aber die Farben des Kammzugs "Tahiti" und der heutige Sonnenschein vermitteln mir ein super Urlaubsgefühl!
Die Neuseelandlammwolle ist von wiedermal von der Flinken - sie macht immerwieder so schöne Sachen!
Das Ganze ist ein zweifädiger Zwirn geworden mit ca. 330 m auf 100g. 


Die Bilder zeigen mal wieder, wie unterschiedlich die Farben bei verschiedenen Lichtstimmungen wirken. Oben bewölkter Himmel, unten mit Sonne!

Montag, 19. Mai 2014

"Zerhauene" Schecke


Hallo ihr Lieben,

Seit letztem Monat bin ich die meiste Zeit am Zuschneiden, Abstecken und Nähen. Christoph näht aber das Meiste. Wir haben Freunden angeboten ihnen Klamotten für das 15. Jahrhundert zu machen und sind auch schon mit Unterhemden und Schlüpfern fertig. Die Zwiebelfärbung gehört auch zu diesem Projekt und ein Strumpf ist auch schon genäht.
Da uns das aber noch nicht an Arbeit reicht, haben wir versucht eine zerhauene Schecke für Christoph zu nähen - mit recht guten Erfolg - ich bin stolz auf uns! ;)



Als Vorlagen dienten uns einige Zeichnungen und Stiche aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Aber auch auf  einigen Gemälden sind solche "zerhauenen" Schecken zu sehen. Für die "Schuppen" hab ich einfach eine Schablone gemacht und sie damit schön verteilt über die ganze Jacke eingeschnitten.
Bei den Ärmeln haben wir uns für eine offene Variante entschieden, die ebenfalls häufig zu sehen ist. Dabei verläuft die Naht der Ärmel an der Rückseite und ist größtenteils offen. Am Ober- und Unterarm kann sie jeweils mit einen Knopf verschlossen werden. 
Hier einige Bild-Beispiele:

Hausbuch Wolfegg, Jupiter, nach 1480, Detail
Hausbuch Wolfegg, Scharfrennen, nach 1480, Detail
Hausbuch Wolfegg, Scharfrennen, nach 1480, Detail Ärmel
Hausbuch Wolfegg, Krönleinstechen, nach 1480, Detail
Talhofer, De Alte Armatur und Ringkunst, 1459, Detail
Gastmahl im Hause des Levi, Flügelalar, 1465-75, Detail


Sonntag, 4. Mai 2014

Zwiebelschalenfärbung für Strümpfe


Beim Häuten der Zwiebel...
...sollte man die Schalen auf jeden Fall aufheben. ;)
Die Färbekraft dieser Schalen ist enorm - neben Ostereiern kann man auch Stoff prima damit Färben. Ein schönes Gelb-Orange bis Goldgelb ist das Ergebnis.


Diesmal habe ich 135g weißen Wollköper in meinem hellblauen "Windeltopf" (Emailtopf mit ca. 12 l Fassungsvermögen) gefärbt. Dazu hab ich diesen mit Alaun (25%) vorgebeizt und dann in einem großen Topf im Zwiebelschalensud gefärbt. Für den Sud habe ich 135g Zwiebelschalen vorher eine Stunde ausgekocht und die Schalen abgeschöpft. Den Stoff hatte ich vor dem Färben bereits in verschieden große Stücke (max. 80x60 cm) geschnitten, damit er relativ frei in der Flotte schwimmt und dadurch möglichst fleckenfrei gefärbt wird. Am Ende sollen daraus Strümpfe werden.
Da die Flotte nach der Stofffärbung noch nicht erschöpft war, habe ich noch zwei Wollstränge, je 100g gebeizt und nacheinander gefärbt. Zur Probe, wie das ganze auf dem Stoff wirkt, habe ich jeweils noch ein Reststück davon dazu gegeben. Das Ergebnis sieht man auf dem unteren Bild - ist eine schöne Abstufung geworden!


Samstag, 3. Mai 2014

Herbstleuchten

Nach langer Zeit des Schweigens gibt es heut mal wieder was von mir zu hören und sehen!

Schon vor einiger Zeit hab ich meinen ersten mit Säurefarben selbstgefärbten Merino-Kammzugzopf  "Herbstleuchten" versponnen. Es ist einer der Zöpfe mit mehr Rot.
Das Ganze hab ich mit sich selbst aus dem Knäul verzwirnt, also zweifädigverzwirnt.
Die Farbtöne liegen im Zwirn stark gemischt vor, daher ist das Garn insgesamt recht gleichmäßig rot-orange.

Als Strang...


und als Knäul.